Hannover


In Hannover: Unsere Eltern hatten ein Haus gekauft und hatten zwei Kinder. Mutter hatte sehr viel zu tun, weil ihr Mann gelähmt war. Ihr Arzt Dr. Oppermann sagte: "Wenn Sie nicht ab und zu in Kur - Mütterkur - gehen, garantiere ich nicht für Sie."

Berufung

Wenn es gleich um die Ereignisse im Altenheim (nach 2001) geht, dann gehört der Text eigentlich in die Leer- oder Brahms-Unterseite. Ich lasse das jetzt aber mal so, weil "Berufung zum Reich Gottes" und Nachfolge Jesu hier ein Thema ist.

Wenn ich an Muttis Glaubensweg zurückdenke, bewegt mich besonders ihre Haltung, mit der sie ihre heilige Berufung lebte. Mutti war durch und durch Christin, mit ganzem Herzen und voller Überzeugung. Als Nachfolgerin Jesu nahm sie die Stimme des Heiligen Geistes ernst. Sie erzählte mir, wie Gott sie ermutigte, gerade zu jenen alten und sterbenden Menschen im Altenheim zu gehen, die noch nicht zu Jesus gekommen waren und nachweislich nicht sterben konnten. In dieser Zeit spürte sie, wie sie diesen Menschen zur Seite stehen und ihre Hand nehmen sollte. Gott wies sie an, mit ihnen so zu sprechen, wie man zu einem Kind spricht. Dann betete sie: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“ Und:"Jesus vergibt deine Schuld." Durch ihre einfachen, liebevollen Worte öffneten sich regelmäßig die Herzen. Jene Menschen, die ihr Leben lang gezögert hatten, fanden im Angesicht des Todes noch zu Jesus. Sie fanden Frieden für ihr Herz.
Für mich bleibt Mutti damit ein ewiges Vorbild. An ihr habe ich gesehen, was es heißt, wirklich ein lebendiger Christ zu sein.

Auch zum Thema "Hommage" und Beruf möchte ich hier erwähnen, dass meine Mutter "zweimal" eine ausgezeichnete  Gartenarchitektin war. Sie legte zuerst den Garten in Hannover ziemlich von Grund auf an. Es standen schon einige Apfelbäume dort, und eine Idee von Rasenfläche war auch da, die ihr aber zu rechteckig schien. Mutti kannte sich mit Stauden gut aus. Kreativ füllen musste sie die Beete selbst. Schnell hatten wir zusätzlich zu den Apfelbäumen einen Birnbaum, einen Pflaumenbaum, Lupinen, Rosen, Rittersporn, Farn, Tagetes, Fette Henne, Krokusse, Perlhyazinthen, Lampenputzer, Farn, eine Sonnenblume; auch Schnittlauch, Rhabarber und Johannisbeersträucher.

Fetthenne
Fetthenne

Sparsam

Meine Mutter war eine Allrounderin. Sie musste anfangs ihren Mann ins Auto heben! Beschwerlich. - Später gab es eine bessere Idee, weil wir ein Brett zum Rutschen hatten. Danach, ab 1997 etwa, gab es ein Auto zum Hineinfahren. - Mein Vater saß immer im Rollstuhl; es ist in der 67 m2 kleinen Wohnung in Hannover darum richtig eng.

Sie musste als junges Mädchen die Kriegs- und Nachkriegszeit miterleben. Sie war im Jahr 1945 15 Jahre alt. Sie machte für ihre Familie, weil das Geld knapp war, aus allem noch etwas Gutes. Damit meine ich, dass meine Mutter sparsam war - und dass wir dazu erzogen wurden, Dinge zu reparieren, die man noch stopfen oder zunähen konnte, wie zum Beispiel Strümpfe oder Socken.

In Hannover hatten wir eine kleine Dackelhündin: Ila. Dieser Zwerg-Langhaardackel ist etwas Besonderes; sie ist quicklebendig und lieb. Sie lebte 18 Jahre.

Lebenslauf

Meine Mutter war zuerst Zahnarzthelferin, dann Ehefrau für ihren gelähmten Mann, Hausfrau und Mutter - und später arbeitete sie als Lohnbuchhalterin, sie lernte Finanzbuchhaltung. Bald darauf war sie Blutspendemanagerin und dann Bestrahlungsassistentin der Strahlentherapie. Die Bestrahlungen, die meine Mutter machen musste in der Medizinischen Hochschule Hannover, waren gefährlich, weil man leicht Fehler machen konnte. Die Bestrahlung wurde vorher berechnet, bevor sie durchgeführt wurde. Diese Berechnung der Zeichnung wurde mit einem Computer bewerkstelligt. Meine Mutter erzählte von den so genannten „Hotspots“. Hotspots mussten bei der jeweiligen Bestrahlung vermieden werden, jedenfalls an den nicht so intensiv zu behandelnden Stellen. Ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Sie wurden durch die Berechnung auf einer Zeichnung sichtbar. Man musste eine neue Bestrahlungseinstellung eingeben und berechnen, wenn diese Hotspots noch irgendwo auftraten. Was genau sind Hotspots? Diese Hotspots sind keine Internetzugänge, nein: es sind zu intensive Bestrahlungsstellen, die gefährlich waren – besonders für das empfindliche Lungen­gewebe und an anderen Stellen. Link.

Was meine Mutter außerdem gut konnte, war: Privatpersonen und Soldaten – meist am Telefon – zum Blutspenden heranziehen. Das Telefonieren musste schnell gehen, und das Kommen der Soldaten musste auch oft schnell gehen, weil es Notfälle gab, die bei Operationen im Krankenhaus auftraten. Sie leitete acht Jahre lang eine Teilgruppe der "Aglow", einer christlichen Orga­nisation für Frauen. Dort hat sie viel erlebt.

Ich bin dankbar

Viele schöne Dinge haben unsere Eltern mit meiner Schwester und mir unternommen. Auch gab es jene Gelegenheiten mit Heidi Woßlick und anderen lieben Menschen: Ganz schön war es immer irgendwo im Wald oder in der "Lüneburger Heide"! Dort in der wunderschönen Natur konnten wir manchmal am Wasser spielen oder den Dackel in einem kleinen Bach schwimmen lassen, weil er das wollte und genoss; oder wir machten ein Picknick. Auch ging Mutti um der Nächstenliebe willen zu Weihnachten ins "Jesus-Treff" in der Innenstadt, und wir Kinder gingen mit.

Mutti lehrte mich über die Waffenrüstung, über das Fürbittegebet des Hiob usw. (Eph. 6; Hiob 42, 8)

Es folgt der Umzug von Hannover nach Leer.


Kleine Zugabe

Der Müdener Weg 7 war früher: 2a Hannover-Kleefeld, 3 Hannover-Kleefeld, 3000 Hanover 61, jetzt wäre es 30625 Hannover.